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    Aufwachsen mit zwei Familien

    Aufwachsen mit
    zwei Familien

    Stationäre Hilfen sind Wohn- und Betreuungsmöglichkeiten für Kinder, Jugendliche und Heranwachsende über Tag und Nacht. Unsere Mitarbeiter:innen kümmern sich fachgerecht um die jungen Menschen und haben ein offenes Ohr für ihre Bedürfnisse und Anliegen. Hier haben sie einen Ort, an dem sie vorübergehend oder dauerhaft behütet auf- und heranwachsen können.

    Unsere einzelnen Hilfsangebote

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    Erziehungsstellen

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    Pflegestellenbegleitung

    1. Erziehungsstellen

    Erziehungsstellen bieten einen Lebensrahmen für Kinder und Jugendliche, die nicht in ihrer eigenen Familie leben können. Sie bieten Orientierung an den normalen Lebensbedingungen einer Familie und sind für junge Menschen eine Lebensgemeinschaft auf Zeit. Die Erziehungsstellen erfüllen einen professionellen Erziehungsauftrag.

    In einer Pflegefamilie oder einer Erziehungsstelle soll Kindern und Jugendlichen, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr daheim leben können, ein neuer überschaubarer Lebensort angeboten werden.
    Deshalb beginnt alles schon mit der Auswahl von geeigneten Familien oder Paaren.

    In Bewerbungsgesprächen werden die persönliche und fachliche Eignung der Pflegeeltern eingehend geklärt. Wichtig ist uns, dass Pflegeeltern in der Erziehungsstelle in ihrer verantwortungsvollen Aufgabe nicht alleingelassen werden.

    Wichtige Fragen zum Thema Erziehungsstellen

    Bei welchem Unterstützungsbedarf ist die Aufnahme in eine Erziehungsstelle vorstellbar?

    • Erziehungsstellen eignen sich für Kinder und Jugendliche
    • die eine schwierige, sie in ihrer Entwicklung hemmende oder belastende Struktur in ihrer Herkunftsfamilie haben
    • die aufgrund ihrer negativen Vorerfahrungen und Sozialisation dringend ein überschaubares und emotional verbindliches Beziehungsangebot benötigen
    • die eine gezielte Förderung in ihren alltäglichen Belangen durch eine kontinuierlich verfügbare, qualifizierte Bezugsperson brauchen
    • mit (drohender) seelischer Behinderung gem. §35a SGB VIII

    Wie sieht die Unterstützung konkret aus?

    Kinder und Jugendliche mit entsprechendem Unterstützungsbedarf werden in eine Erziehungsstellenfamilie aufgenommen und können hier leben bis eine Rückführung in die eigene Herkunftsfamilie oder eine Ablösung in die Selbständigkeit möglich ist.

    Grundlage für den Umgang mit den Kindern und Jugendlichen ist der Aufbau einer tragfähigen, belastbaren und stabilen Beziehung zwischen den Familienmitgliedern der Erziehungsstelle und dem aufgenommenen jungen Menschen. Der junge Mensch erhält Förderung und Unterstützung in allen für seine Entwicklung wichtigen Belangen. Darüber hinaus unterstützt die Erziehungsstelle die positive Gestaltung seiner Beziehungen zu seiner Herkunftsfamilie

    Mindestens ein Erziehungsstellen-Elternteil ist eine kompetente und berufserfahrene sozialpädagogische Fachkraft. Diese Fachkraft ist entweder im Rahmen einer Anstellung oder im Rahmen einer schriftlichen Vereinbarung als Pflegefamilie mit dem Oberlin-Haus verbunden. Sie wird von Seiten des Oberlin-Hauses bei ihrer Aufgabe durch regelmäßige Fachberatung und den Austausch im Team unterstützt und begleitet.

    Welche Rolle hat die Herkunftsfamilie?

    Kinder in Erziehungsstellen sind Kinder mit zwei Familien. Die bestehenden Beziehungen und Bindungen an die Herkunftsfamilie sollen erhalten werden. Die Herkunftsfamilie wird – soweit möglich und dem Wohl des Kindes zuträglich – in den Erziehungsprozess einbezogen. Grundlegend für die positive Entwicklung eines Kindes in der Erziehungsstelle ist die gegenseitige Akzeptanz und Wertschätzung beider Familien.

    Welche Rolle hat das Jugendamt?

    Familien, die Unterstützungsbedarf bei der Erziehung ihrer Kinder haben wenden sich an das Jugendamt. Dort werden Sie beraten und es wird geprüft welche Hilfe die geeignete ist. Nur wenn innerhalb der Familie keine geeigneten Hilfen mehr möglich sind, wird eine Aufnahme des Kindes in eine Erziehungsstelle geprüft. Erst nachdem die Genehmigung des Jugendamtes und auch die Zustimmung der Sorgeberechtigten vorliegt, kann eine Aufnahme in eine Erziehungsstelle erfolgen.

    Was sind die Ziele und Methoden bei diesem Angebot?

    Kinder in Erziehungsstellen werden entsprechend ihrer Bedürfnisse versorgt und aufgefangen. Ihre Fähigkeiten werden gepflegt gefördert. Sie erfahren in der Erziehungsstelle emotionalen Halt und Beziehungs- und Bindungsangebote.

    Positive Verstärkung, Wertschätzung und Empathie ermöglichen den Kindern ein positives Bild von sich selbst zu bekommen. Klare Regeln, Konsequenz und Beständigkeit bieten den Kindern einen förderlichen Rahmen für ihre Entwicklung und der respektvolle Umgang aller Familienmitglieder in der Erziehungsstelle fördern den Aufbau sozialer Kompetenzen.

    2. Pflegestellenbegleitung

    Die Pflegestellenbegleitung ist eine Hilfeform, die sich an die beteiligten Familien eines Pflegeverhältnisses richtet. Die Weggabe eines Kindes aus seiner Herkunftsfamilie einerseits und die Aufnahme des Kindes in eine Pflegefamilie andererseits erfordert von beiden Familiensystemen und dem Kind eine einschneidende Neuorientierung.

    Im Verlauf eines Pflegeverhältnisses sind von beiden Familien sowohl Entwicklungskrisen des Kindes, als auch Kooperationsaufgaben zu bewältigen.

    Die Pflegestellenbegleitung bietet hierbei Unterstützung und Beratung.

    Wichtige Fragen zur Pflegestellenbegleitung

    Bei welchem Unterstützungsbedarf ist eine Pflegestellenbegleitung vorstellbar?

    Pflegestellenbegleitung ist hilfreich z.B.:

    • in der Anfangsphase eines Pflegeverhältnisses
    • in einzelnen Krisensituationen mit dem aufgenommenen Kind
    • bei Erziehungsfragen
    • wenn das Kind einen Ansprechpartner außerhalb der beiden Familien braucht
    • wenn sich Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit zwischen der Herkunfts- und der Pflegefamilie ergeben
    • zur Vorbereitung und Begleitung der Rückführung des Pflegekindes in die eigene Familie

    Wie sieht die Unterstützung konkret aus?

    Zu Beginn der Hilfe und danach halbjährlich findet ein gemeinsames Hilfeplangespräch statt, in dem die Ziele der Hilfe, die Beratungshäufigkeit und die Kooperationsaufgaben der beiden Familien besprochen werden. Innerhalb des vereinbarten Rahmens kann die Häufigkeit der Beratungsgespräche dem Bedarf der Familien angepasst werden. Je nach Bedarf finden die Beratungsgespräche in unterschiedlichen Konstellationen statt – z.B. mit den Pflegeeltern allein oder mit der gesamten Pflegefamilie, mit den Herkunftseltern des Kindes oder mit den Herkunfts- und Pflegeeltern des Kindes gemeinsam, Einzelgespräche mit dem Pflegekind oder Gespräche mit Pflegekind und den Pflegeeltern gemeinsam. Die Pflegestellenbegleitung kann von allen Beteiligten beendet werden, wenn die angestrebten Ziele erreicht wurden oder die Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr gegeben ist.

    Die Mitarbeiter:innen in der Pflegestellenbegleitung sind kompetente und berufserfahrene Fachkräfte aus der Sozialen Arbeit, die über eine systemische Zusatzausbildung verfügen und teilweise eigene Erfahrungen als Pflegeeltern haben. Das Oberlin-Haus unterstützt die Fachkräfte bei ihren Aufgaben durch Fachberatung und den Austausch im Team.

    Was erwarten wir von Ihnen?

    Grundlegende Voraussetzung für die Pflegestellenbegleitung ist das Einverständnis der Familien und ihre Bereitschaft an den vereinbarten Aufgaben mit zu arbeiten und aktiv an der Entwicklung von Lösungen für Krisensituationen mit dem Kind und Kooperationsproblemen zwischen den Familien mitzuwirken.

    Welche Rolle hat das Jugendamt?

    Wenn Sie Eltern eines Pflegekindes oder selbst Pflegeeltern sind und Bedarf an Unterstützung und Beratung für Angelegenheiten bezüglich Ihres Kindes/Pflegekindes haben, wenden Sie sich an das zuständige Jugendamt. Dort werden Sie beraten und es wird geprüft ob in Ihrem Fall die Voraussetzungen für den Einsatz einer Pflegestellenbegleitung vorliegen.

    Was sind die Ziele und Methoden dieses Angebots?

    Die Pflegestellenbegleitung ist ein Unterstützungsangebot für Pflegefamilien, Pflegekinder und deren leiblichen Eltern. Sie bietet Hilfestellung während besonders sensibler Phasen eines Pflegeverhältnisses – wie deren Beginn oder deren Beendigung. Sie bietet Beratung bei Erziehungsfragen und Unterstützung in Krisensituationen. Dabei wird mit sozialpädagogischen, systemischen, gesprächstherapeutischen, und spielpädagogischen Methoden gearbeitet.